AG Verkehr

Zusammenfassung: 
Durch den Vulkanausbruch in Island hat unsere hochmobile Gesellschaft erlebt, was passiert, wenn nur ein einziger Verkehrsträger ausfällt, weil uns die Natur Grenzen setzt. War es ein Vorgeschmack darauf, was uns angesichts von Klimawandel und Ölknappheit bevorsteht? Zum Glück nicht, denn der Klimawandel und das Versiegen der Erdölvorräte kommen nicht plötzlich wie ein Vulkanausbruch. Wir können uns auf sie einstellen - ich sage: besser früher als später. Aber die Herausforderung ist dennoch gewaltig. (Horst Köhler, 27.05.2010)

Bielefeld 2030 - Eine Vision für den Bereich Verkehr


Der Besitz von Privatautos ist nicht mehr die Norm. Das öffentliche Wegenetz wurde zugunsten von Straßenbahnen, Bussen, Fahrradfahrern und Fußgängern ausgebaut und modifiziert. Das Modell im Grünen zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten, gehört der Vergangenheit an. In ländlichen Gemeinden hat sich der Schwerpunkt hin zur Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort und zur Förderung des Gemeindelebens hin verschoben. Dadurch hat sich die Bevölkerungszusammensetzung in den letzten 20 Jahren zwangsläufig verändert: Wer einen naturverbundenen, ländlichen Lebensstil suchte, ging von der Stadt aufs Land, während diejenigen, die das kulturell und gesellschaftlich intensivere städtische Leben vorzogen, sich in umgekehrter Richtung bewegten. Car-Sharing-Modelle sind sehr beliebt geworden, weil man bei Bedarf über ein Auto verfügen kann, ohne es besitzen zu müssen; zugleich sind die Fahrzeuge auf diese Weise besser ausgelastet.


Von Billigflügen kann man nur noch träumen. Fernreisen verbieten sich wegen der hohen Kosten von selbst, was den Vorteil hat, dass die Bindung der Menschen an ihre Heimatregion stärker geworden ist. 2009 kannten die Deutschen Städte wie Paris oder New York besser als Freiburg oder Kiel. Doch dann trieben hohe Treibstoffpreise und die Einführung der Kerosinsteuer im Jahr 2011 viele Billigfluglinien in den Konkurs. Während Flug- und motorisierter Individualverkehr einbrachen, konnten sich die Hersteller von Fahrrädern und Fahrzeugen für den öffentlichen Verkehr über volle Auftragsbücher freuen.


Die Relokalisierung ging einher mit einem Entschleunigungsprozess, einer Abkehr von der Hektik, die das Leben bis 2010 geprägt hat. Das Bedürfnis, an einem möglichst exotischen Ort „Entspannung“ zu suchen, ist geschwunden. Den meisten gefällt es heute besser, an Sommertagen im Schrebergarten Erholung zu suchen, gemütlich im eigenen Gartenhäuschen zu nächtigen und auf Fahrradausflügen und Wanderungen Flora, Fauna und Geschichte der näheren Umgebung zu erkunden. War unsere Stadt zuvor meist eine öde urbane Landschaft mit einigen wenigen Zentren der „Unterhaltung“, so sind es heute lebendige, mit Gärten, Teichen und Kunstwerken abwechslungsreich gestaltete Orte, die ihren Bewohnern Gelegenheit zur Begegnung und zum Miteinander bieten, so dass der Wunsch, auf Reisen Unterhaltung zu suchen, kaum noch besteht.
Im Gefolge der Ölverknappung gab es von 2014 an immer weniger Autos auf den Straßen, so dass nicht mehr benötigte Parkflächen (für deren Instandhaltung die Stadtverwaltung zuständig war) nunmehr anders genutzt werden konnten. Hier entstanden Marktgärtnereien und Schulungszentren zur Wiedereinführung und Belebung alter Kulturtechniken. Der öffentliche Verkehr ist heute vorbildlich ausgebaut. Viele Nebenstrecken, die in den 1960er Jahren stillgelegt worden waren, wurden wiedereröffnet – sehr zum Nutzen der ländlichen Gemeinden und der Bauern, deren Erzeugnisse auf dem Schienenweg zu den Märkten der Region transportiert werden. Auf den Straßen der Städte haben Fußgänger und Fahrradfahrer absolute Priorität; viele öffentliche Plätze und Straßen sind vollkommen autofrei.

 

Siehe auch Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler bei der ADAC-Preisverleihung "Gelber Engel 2010" am 14.01.2010 als PDF-Datei.


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