Philips-Senseo-Kaffee-Pad-Maschine: Repair Café Erkenntnisse

Zusammenfassung: 
Seit 2001 baut Philips aus Holland die Senseo-KaffeePadMaschinen (50 -150 Euro). Über 33 Millionen sind davon inzwischen verkauft worden (lt. Wikipedia). In den letzten Transition Town Repair Cafés in Bielefeld hatten wir mehrere Senseos – Lebenserwartung: Gewährleistungsfrist + 2 Monate (geplante Obsoleszenz). Das Problem ist (im Netz) altbekannt, ein 470 nF X2-Kondensator, der im Kondensatornetzteil der Elektronik verbaut ist, geht kaputt. Im Netz Tausende von Fundstellen und Aufrufen der Reparatur Videos.

Reparaturanleitung als Video gibt’s mehrere – z.B. kurz, in 4 min bei YouTube: https://youtu.be/ej5iAV1ccp8
 
Auch bei „Murks? Nein Danke!“ von Stefan Schridde findet sich eine Häufung von Senseo-Schäden.

Fehlerbeschreibung:

  • • Spontanes Ausschalten
  • • Senseo erhitzt das Wasser und geht mitten im Brühvorgang aus. Garantiezeit ist vor zwei Monaten abgelaufen. Ärgerlich, da die Kaffeemaschine auch noch da steht wie neu!
  • • Senseo erhitzt das Wasser und geht aus.
  • • Einschaltknopf blinkt kurz und geht aus.

Abhilfe:

  • • Uwe (TT-Bielefeld Repair Café Reparatur-Experte): "Alle hier beschriebenen Fehler deuten auf einen defekten Entstörkondensator hin. Dieser ist in den verschiedenen Geräten von Senseo meistens im Fuß direkt hinter den Bedientasten verbaut. Der von mir ausgetauschte Kondensator hatte eine Neukapazität von 680nF. Nach 1 Jahr hatte dieser Kondensator nur noch 90nF. Und das reicht nicht zum Entstören der elektronischen Schalter im Gerät. Daraufhin bekommt der Prozessor beliebige Störungen, die ihn alles Mögliche machen lassen, nur nicht seine korrekte Arbeit. Meistens macht die Maschine dann gar nichts mehr und blinkt so vor sich hin. Normalerweise verliert ein Kondensator dieser Bauart (Metallpapier)kaum Kapazität, es sei denn es ist eine extrem minderwertige Qualität. Und wie schon von vielen Personen berichtet, geht die Maschine direkt nach Ablauf der Garantie kaputt. Das nenne ich dann bewusstes Begrenzen der Betriebszeit, denn dieser Fehler ist Philips schon lange bekannt."
  • • Tom (TT-Bielefeld Repair Café Reparatur-Experte): "Bei diesem Kondensator handelt es sich um einen Bestandteil eines sogenannten Kondensatornetzteiles (Netzteil ohne Transformator und Netztrennung). Da die Maschinen nur mit billigen Tastern ein- und ausgeschaltet werden, wird die Steuerelektronik über den Kondensator laufend unter Spannung gehalten, Ergebnis: der Kondensator altert auch bei Nichtbenutzung solange das Gerät eingesteckt ist. Standby-Verbrauch bei Senseo 7820 z.B. ca.0,2W – wenn mein einfaches Messgerät in diesem Bereich noch halbwegs genau misst. | Die Maschine sollte deshalb nur zum Gebrauch unter Strom gesetzt werden; ansonsten Stecker ziehen bzw. an einem geeigneten Steckdosenschalter betreiben und Ausschalten nicht vergessen. | Dann sollte der Kondensator und damit die Maschine deutlich länger leben."
  • • DaTechnican: "….Dann kam der Fehler mit dem Abschalten beim Brühvorgang. Ein paar Wochen später machte ich mich daran die Kondensatoren auszutauschen. Was mir dabei merkwürdig war, die Platine hatte zwei verschiedene Rastermaße für ein und denselben Kondensator - nur dass man beim größeren Rastermaß einen Kondensator mit mehr Spannungsfestigkeit einbauen konnte. Sie funktioniert seitdem wieder einwandfrei."

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http://cschirp.de: Senseo-Kaffeemaschine / Padmaschine / Kondensator-Problem

Bild oben: Die Elektronik im Fuß einer Maschine mit markiertem 470nF X2-Kondensator C1

Irgendwie hat Philips um 2009/2010 besonders schlechte X2-Kondensatoren in dem Kondensatornetzteil zur Versorgung der Elektronik im Fuß einiger Senseo®-Maschinentypen Classic, New Generation und Quadrante verbaut. Ich habe Datecodes auf den defekten Kondensatoren von 11/09 bis 07/10 gesehen, die Gehäusegröße wurde zwischendurch mal reduziert von ca. 26.5 x 19 x 10mm auf ca. 26.5 x 16.7 x 8.4mm - was die Zuverlässigkeit der Komponente scheinbar nicht erhöht hat. Das Netz ist voll von Reparaturanleitungen und sogar bei ebay kann man mit dem Stichworten "Senseo Kondensator" immerhin 16 Anbieter finden! (Stand: 4.12.2013). Da ich allein im Bekanntenkreis zwei Maschinen mit defekten Kondensatoren gefunden habe, ist das hochgerechnet wahrscheinlich ein ziemlich großes Problem bei Philips... Wenn man sich die 977 Bewertungen der HD7810/60 bei amazon ansieht, haben rund 5-10% der schlechten Bewertungen (also 1..3 von 5 Sternen) das selbe Fehlerbild des spontanen Ausschaltens.

Bei den älteren Revisionen (also z.B. HD7810/60 ohne /C hinter der Typ- und Farbnummer) war die Leiterplatte auch noch anders im Gehäuse angeordnet und mit EPCOS-Kondensatoren bestückt. Bei meinen Recherchen bin ich auf keine einzige defekte Maschine mit den (blauen) EPCOS-Kondensatoren gestoßen. Bei der aktuellen Version /C (die auch in der New Generation verbaut wird) liegt die Leiterplatte flach, bei der ersten Revision (bis 2006? hergestellt) steht sie etwa parallel zu den Tasten und hat einen abgewinkelten Kühlkörper. Mittlerweile (2012) sind übrigens wieder EPCOS-Kondensatoren verbaut.

Fehlerbild: Die Senseo-Maschine geht unvermittelt aus - beim Heizen, Brühen oder einfach so. Die Tassen werden nicht voll etc.

Bild oben: Der Kondensator ist von 470nF auf weniger als 100nF degradiert

Ursache: Der X2-Kondensator der taiwanesischen Firma DAIN verliert seine Kapazität, bei der HD7810/60/C ist z.B. ein 470nF-Typ verbaut, der nur noch um die 100nF hat, wenn die Maschine ausfällt. Der Controller der Maschine wird dadurch nicht mehr ausreichend versorgt und geht durch einen Reset...-> aus. Es gibt unter der Nummer SDA_87588 sogar eine offizielle Technical Note bzw. ein Symptom Cure Document von Philips dazu: SDA_87588 auf französisch

Abhilfe: Tausch des X2-Kondensators C1 auf der Leiterplatte im Fuß der Maschine gegen einen Neuen, z.B. "PAN-X2-470N :: Entstörkondensator, X2, 275VAC / 10%, 0,47µF" (Panasonic ECQUAAF470K) bei Reichelt für €0,49, bei Philips gibt es unter der Teilenummer 996510047409 auch den jetzt wieder in Serie verbauten (blauen) EPCOS-Kondensator.

Die ECQUA-Serie von Panasonic ist nach diesem Datenblatt auch für den Einsatz bei hoher Feuchtigkeit geeignet. Die ECQUA-Serie hat dazu wohl eine spezielle Folienmetallisierung, die unempfindlicher gegen eindringende Feuchtigkeit ist. Ein Zerlegen der inneren Metallisierung scheint wohl einer der häufigsten Ausfallursachen bei X2-Kondensatoren zu sein. Wer die Elektronik der Maschine schon in der Hand hält, sollte überlegen, ob er nicht gleich den Autostart nachrüstet und einen Schutz über den Schlauch zum Deckel schiebt - siehe unten.

Hier ist übrigens mal der Schaltplan der Senseo, soweit man ihn ohne ablöten rausbekommt - daher haben die ganzen SMD-Kondensatoren auch keine Wertangaben. Die Leiterplattenbezeichnung ist 4222-248-60001 RevX3.



Den Schematic der Senseo gibt es hier auch noch im besserer Auflösung.

Hier noch die Anschlussbelegung:

  • • LP/brown/AMP1  -  Line Power - Netzanschluss Phase und Pumpe
  • • LH/red/AMP5  -  Line Heater - Anschluss fuer den Boiler
  • • N/blue/AMP2  -  Neutral - Netzanschluss Nulleiter
  • • NP/white/AMP4  -  Neutral Pump - geschalteter Anschluss Pumpe
  • • NH/black/AMP3  -  Neutral Heater - geschalteter Anschluss Heater

Ventil-Problem / keine vollen Tassen mehr

Um zu Verhindern dass während des Aufheizvorganges Siedeblasen heißes Wasser aus dem vielleicht offen stehenden Deckel spritzen lassen, ist die Senseo-Maschine mit einem Dreiwegeventil ausgestattet. Dieses Ventil leitet das entstehende Dampf/Wassergemisch direkt in den Tank um, nur Wasser mit konstantem Druck gelangt zur Brühkammer. Das Ventil altert jedoch und lässt dann auch während des Brühvorganges immer mehr Wasser direkt in den Tank zurück und nicht durch das Pad in die Tasse fließen. Überprüfen kann man das, indem man durch den Spalt zwischen Maschine und Tank in den Tank blickt: Läuft dort aus dem kleinen "Überlauf" während des Brühvorganges Wasser in den Tank, ist das Ventil fällig.

Fehlerbild: Die Füllmenge der Tassen nimmt immer mehr ab.

Abhilfe: Tausch des Dreiwege-Ventils, kostet bei Amazon so um die € 6,--. Zusätzlich braucht man noch kurze Kabelbinder um die Schläuche wieder an dem Ventil zu befestigen. Für den Tausch muss nur die Rückseite der Maschine unter dem Tank abgenommen werden, sie ist nur geklipst.

Leckwasser / Wasserstrahl nach hinten

Die Stiftung Warentest hatte an der ersten Senseo-Generation bemosert, dass bei geöffnetem Deckel heißes Wasser aus der Maschine spritzt. Für normale Menschen eigentlich selbstverständlich, Kaffee soll ja heiß sein. Für die Stiftung ein echtes Malus am Gerät.
Die Lösung der Philips-Ingenieure war leider kein Hall-Sensor, der den Deckelstatus (wie bei der Quadrante) abfragt, sondern eine recht scharfe Kante im Bereich des Deckelscharniers, die den Schlauch bei offenem Deckel abquetscht. Genau diese Kante säbelt bei häufiger Benutzung aber eine Kerbe in den Schlauch, er wird undicht.

Fehlerbild: Die Maschine leckt oder verspritzt sogar einen feinen Strahl heißen Wassers nach hinten.

Abhilfe: Wenn es soweit ist, hilft nur noch Silikonschlauch zum Deckel austauschen. Wenn man vorher die Maschine schon mal aufhat: einen Schrumpfschlauch Durchmesser ca. 10mm über den Silikonschlauch schieben.

Autostart nachrüsten

Wen auch nervt, dass man nach dem Einschalten der Senseo-Maschine warten muss, bis der Boiler heiß ist und man dann erst das gewünschte Produkt wählen kann… da kann man einen kleinen PIC drantüddeln: Anleitung Autostart nachrüsten

 


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Kommentare

Senseo-Kondensator-Problem

Tja, da ist bei der Entwicklung wohl etwas zu knapp gerechnet worden. Obwohl der Kondensator von der Bauform her ein Entstörkondensator ist, hat er eine andere Funktion und stellt einen wichtigen Teil des Minimalnetzteiles dar, das die Elektronik mit Niederspannung versorgt. Wurde hier ja schon dargelegt.

Das Problem ist klar: der Kondensator verliert mit der Zeit seine Kapazität, was zur Folge hat, dass das Netzteil nicht mehr hinreichend Strom liefern kann, um die Komponenten zu versorgen, deren Funktionalität bricht ein. Nun kann man derlei Kondensatoren Jahrzehnte an der Netzspannung lassen - da passiert in der Regel nichts. Dass der Kondensator dauernd am Netz hängt, mach eigentlich kaum etwas aus (trotzdem ist es besser, das Gerät ganz stromlos zu machen - wg. des unnötigen Verbrauchs). Erst wenn solche Kondensatoren hohen Spannungsspitzen ausgesetzt sind, die höher als für die jeweilige Klasse angegeben sind, kann es zu Durchschlägen und somit zu Kapazitätsverlusten kommen. Wenn im Stromnetz nicht andauernd Bohrmaschinen, Flex o.ä. laufen, kann so ein Kondensator sehr alt werden. Nun hat aber die Senseo eine (oder mehrere ?) Vibrationspumpe(n), die ähnlich wie ein Wagnerscher Hammer funktionieren - und solche Teile erzeugen Spannungsspitzen ohne Ende. Und ich denke, dass diese für den Kapaziätsverlust des Netzteilkondensators verantwortlich sind. Ich könnte mir vorstellen, dass eine bessere Entstörung der Pumpe(n) das Netzteilproblem mildern würde. Ebenso wäre es sinnvoll, einen X1 Kondensatro einzusetzen, der hält höhere Spannungsspitzen aus.

Letztendlich ist das aber aus meiner Sicht ein Konstruktionsfehler, hier hätte die Stromversorgung insgesamt robuster ausgelegt werden müssen.

Kondensator einlöten plus-minus?

Wie löte ich den Kondensator ein? Muss ich plus/minus beachten?

Reperatur Latte select

Einen schönen guten Morgen,

 

wer von euch kann mir die Latte select (heizt nicht mehr) denn kostengünstig reparieren? Ich habe leider technisch zwei linke Hände, würde die Maschine aber ungern wegwerfen und bin nicht bereit die Senseogebühren zu bezahlen.

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