"Alternative Währungen / Regionalgeld"

Zusammenfassung: 
Am 19.10. veranstaltete die AG "lokale Wirtschaft" von Transition Town Bielefeld einen Informationsabend zu komplementären bzw. alternativen Währungen (Teuto Taler, Minuto etc.) und Tauschringe u.ä in der Bürgerwache am Siegfriedplatz.

Dabei gab es Informationen und einen kurzen Vortrag von Gerd Wessling zum aktuellen Stand dieses Themas weltweit & in der globalen Transition-Bewegung, sowie Informationen zum aktuellen Stand dazu in Bielefeld (Teuto-Taler, Tauschring, Bethel-Geld etc.) Im Anschluß bestand für die Anwesenden die Möglichkeit, gemeinsam zu überlegen, wie wir diesen Aspekt der lokalen Wirtschaft mit Hilfe von Transition Town Bielefeld stärker fördern & ausbauen könnten; z.B. im Verbund mit schon existierenden Initiativen und/oder als eigene, neue Projekte. Es wurde entschieden, dieses Thema weiter zu verfolgen, da es als sehr gutes Werkzeug zur Stärkung der regionalen Wirtschaft (Relokalisierung) mit hohem Identifikationspotenzial dienen kann.

 

Was ist Regiogeld und wie wirkt es?



Diesen Artikel weiterempfehlen
Share

Kommentare

Regionalgeld zukünftiges Wirtschaften nach Peak everything.

Mich interessiert vor allem auch die Frage, wie eine Nachhaltige Wirtschaft Konstruiert werden müsste, damit der Wachstumszwang wie er ja scheinbar durch das Zinssystem der Banken erzwungen wird nicht mehr auftauchen kann.

Sprich. Wenn wir in eine Neue Zeit eintreten in der wir endlich begriffen haben dass Wachstum nie Dauerhaft sein kann, wie verhindern wir, dass Wachstum , wenn überhaupt nur noch in form von optimalerer resourcennutzung umgesetzt wird.

Was alles noch können wir tun, um der fundamentalen erkenntnis der endlichkeit der Resourcen gerecht zu werden..

gruß

Tom

Re: Regionalgeld zukünftiges Wirtschaften nach Peak everything.

Hi Tom!

In dem Punkt, dass das Zinssystem ein Wirtschaftswachstum erzwingt, sind wir uns einig. Man kann es sich jetzt leicht machen und sagen, wenn wir den Zins abschaffen, wächst unser Geld nicht mehr exponentiell an und die Wirtschaft müsste nicht mehr versuchen mitzuwachsen.
Soweit ist das auch richtig. Allerdings liegt unser Problem tiefer. Es gibt den Zins nur, weil unser Tauschmittel hortbar ist. Damit es nicht gehortet wird, wird es durch einen positiven Zins zurück in die Bank gelockt, wo es dann durch Kredite wieder der Wirtschaft (zum Tauschen) zur Verfügung steht.
Es ist unbedingt notwendig diese Funktion beizubehalten, auch wenn man den Zins abschaffen will.
Diese Funktion könnte eine Umlaufsicherung einnehmen. Geld welches der Wirtschaft entzogen (gehortet) wird, würde auf Dauer an Wert verlieren, wodurch es wirtschaftlicher ist, Geld das man nicht benötigt zur Bank zu bringen. Den Wertverlust des Geldes trüge nun der Kreditnehmer.

Hier haben wir allerdings ein neues Problem:
Wenn die Zinsbedingte Umverteilung von fleißigen Menschen hinzu besitzenden Menschen gestoppt würde, würde es viel billiger werden einen Kredit aufzunehmen. Man könnte billiger investieren. Auch der Zins müsste nicht mehr erwirtschaftet werden. Dies würde zu einem Wirtschaftsboom führen, der wieder Ressourcenverbrauch zur Folge hätte. Gut für die Wirtschaft, schlecht für die Welt.
Um diesen Effekt abzuschwächen, sollte man meiner Meinung nach noch vor der (notwendigen) Geldreform eine Bodenreform durchführen, welche sowohl die Bodenspekulation verhindert, als auch die Ressourcen der Erde schützt.
Hierbei würde sämtlicher Boden von den Kommunen zurückgekauft. Es handelt es sich hier nicht um eine Enteignung, sondern einen Rückkauf. Das steht schon im Gesetz, muss aber noch Anwendung finden.
Die Ressourcen müssten besteuert werden. Die Ressourcenbesteuerng könnte über Konsum geregelt werden. Wer mehr konsumiert, zahlt mehr (Steuern).
Es gibt hier auch Ansätze zur Rückverteilung dieser Steuer in Form eines (ggf. bedingungslosen) Grundeinkommens. So würden Menschen, die wenig konsumieren (Ressourcen verbrauchen) mehr Rückverteilung erhalten als sie an Steuern zahlen. Eine Ressourcen schonende Lebensweise wird (finanziell) belohnt.

Dies war jetzt vermutlich die Kürzeste Zusammenfassung der Freiwirtschaft die ich je geschrieben habe. In diesem Themengebiet gibt es noch sehr viel zu sagen, aber an dieser Stelle sonn erstmal genug sein.

Deshalb hier nur noch Weiterführendes:

Suchbegriffe:
1) Umlaufsicherung
2) Fließendes Geld
3) Geld- und Bodenreform

Bücher:
1) Occupy Money – Marget Kennedy
2) Die 29 Irrtümer rund ums Geld – Helmut Creutz
3) Die natürliche Wirtschaftsordnung – Silvio Gesell

Zeitschriften:
1) Humane Wirtschaft
2) Fairconomy

Initiativen:
1) INWO
2) GCN

Veranstaltungen:
Lust auf neues Geld – 09.06.2012 Leipzig

Viel Spaß mit den Lösungen wünscht
Joshua

Geld für Griechenland

Wir sollten den griechischen Bürgern die Daumen drücken, auf dass das Chaos welches die EU-Regierenden dort und überall veranstalten für sie das Best mögliche Ende nimmt.

Das Best mögliche Ende ist natürlich schwer zu definieren und es gibt viele unterschiedliche Einschätzungen. Da wir direkt mit betroffen sind, bei allem was in Griechenland passiert, will ich hier mal etwas von meiner Sicht der Dinge schreiben:

Als Griechenland mit Hilfe ihrer korrupten Politiker in die Eurozone kam, hat es den Schutz der eigenen Wirtschaft vor Investoren aufgegeben und das mit Hilfe von Betrug und dem Wissen der EU. Es hat das wichtigste Werkzeug mit dem man seine Wirtschaft, insbesondere die regionale, schützen kann aus der Hand gegeben. Dadurch hat es die regionale Wirtschaft, die zum großen Teil aus KMUs und bäuerlicher Landwirtschaft bestand, den Investoren ausgeliefert.

Heute kauft die griechische Bevölkerung landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland und bei den Diskountern, da die eigene Nahrungsmittelproduktion und der Handel zum großen Teil aufgegeben wurden. Sie haben den Preiskampf der Agrar-Industrie aus Deutschland, Holland usw. nicht überlebt. Bei dem was in Griechenland bald passieren wird, sind die Bürger angewiesen auf Hilfe und Solidarität von uns, denn sie sind auch durch uns in diese Abhängigkeit gestoßen worden. Wir haben sozusagen die Investoren von der Kette gelassen, um sich in Griechenland zu bedienen.

Eine ähnliche Funktion, nämlich die Abschaffung von Schutzfunktionen für die Wirtschaft, haben auch Freihandelsabkommen, durch die Abschaffung der schützenden Zölle, Gesetze und Handelsbeschränkungen.

Der schwächste Sektor innerhalb eines Wirtschaftsraums sind die kleinen und sozial ausgerichteten Unternehmen, die in ihren Tätigkeiten vorwiegend regional tätig sind. Alle Unternehmen, die nicht streng an Profitstreben orientiert sind, können sowohl bei Aufgabe der eigenen Währung als auch bei Freihandel, nicht mehr geschützt werden. Damit verlieren Regionen ihren Stabilität, ihre Unabhängigkeit und mit ihrem Handlungsspielraum auch ihre Freiheit.

Die Entwicklung, die Griechenland gerade durchläuft und die beschleunigt werden soll, ist ein Spiegelbild dessen was bei uns schon passiert ist. Die Zerstörung der Stabilität und des Schutzes regionaler Strukturen und die Aufgabe der Unabhängigkeit. Ich denke, wir haben bezüglich der Verhältnisse der regionalen Wirtschaft sogar einen deutlichen Vorsprung gegenüber Griechenland. Wir sind da deutlich moderner.

Bei uns ist die Situation nicht Profit-orientierter Unternehmen schlecht, da Unternehmen umso mehr Zugang zu Kapital haben, je größer sie sind. Größe ist bei uns ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg. So ist ein großer Anteil kleiner Unternehmer vom Markt verdrängt worden, mit all den Folgen, die dieser Verlust hat. Der größte Verlust ist wohl der des Abbaus des sozialen Zusammenhalts, der für die Gesellschaften so wichtig ist. Soziales Unternehmertum und marktwirtschaftliches Profitstreben sind nicht mehr in Einklang zu bringen, auch nicht durch Förderstrukturen die nur neue Abhängigkeiten schaffen.

Griechenland braucht eine eigene Währung, damit die Zersetzung der Strukturen aufgehalten wird und das was zerstört wurde, wieder geschaffen wird. Griechenland braucht wahrscheinlich auch regionale Währungen wie wir, beides wiederspricht sich nämlich nicht.

Regionale Wirtschaftsräume müssen überall gestärkt werden durch Aufbau entsprechender Schutzstrukturen. Eine Schutzstruktur, die durch die Wirtschafträume selbst geschaffen werden kann, ist die einer regionalen Währung. Frei, Eigenverantwortlich und dem verfassungsmäßigen Prinzip der Subsidiarität folgend können Regionen als unterster Ebene als Organisationsform ihren eigenen Schutzmechanismus aufbauen.

Morgen könnte eine wichtige Weiche gestellt werden. Ich drücke der griechischen Bevölkerung die Daumen, auch für uns.

Der regionale Wirtschaftsraum

Definition von Wirtschaftsräumen
Handel findet von jeher zunächst innerhalb definierter regionaler Wirtschaftsräume statt. Produzenten tauschen untereinander und mit Verbrauchern Waren und Dienstleitungen. Entstehen Überschüsse, können sie überregional gehandelt werden.

Der Schutz einer Region ist dementsprechend ursprünglich die möglichst geringe Entfernung zwischen den Handelspartnern, die zur Deckung der wichtigsten Bedürfnisse akzeptiert wird, da zur Überwindung der Entfernung Energie aufgewendet werden muss. Durch Mobilität und Logistik, verursacht durch zu niedrige Energiepreise, ist dieser Schutzfaktor in vielen Regionen nicht mehr wirksam.

Ein natürlicher Wirtschaftraum ist also eine Region, in der die Bewohner als Wirtschaftsteilnehmer miteinander Waren austauschen und bei der natürliche Handelsbeschränkungen in Takt sind.

Regionale Wirtschaftsräume sind durch die Nähe ihrer lokalen Wirtschaftsteilnehmer zueinander definiert und durch kurze Wege und Kundenbeziehungen weitgehend stabil.

Ein Investor, der sich in einer Wirtschaftsregion ansiedelt, wird einen großen Teil des Gewinns, den er durch den Handel erzielt, aus der Region abziehen. Diese Gewinne fehlen in der Region und werden dort nicht so investiert, wie es ursprünglich für in der Region ansässige Kleinunternehmen möglich und üblich war.

Schutz von Währungsräumen
In der Regel werden Investoren mit Sonderkonditionen angelockt, die sie in eine bevorzugte Lage versetzen. Der Preiskampf dieser Investoren und Konzerne führt dann zu einer Konkurrenz mit den regionalen Unternehmen, die diese nicht bestehen können.

Durch seine Größe hat ein Investor aufgrund seiner Kreditfähigkeit und der Strategie des Profitstrebens oder schlicht seiner Marktmacht, eine in einer Region potentiell marktbeherrschende Position, der kleine regionale Unternehmen häufig nicht viel entgegenzusetzen haben.

Hindernisse für den Waren- bzw. Geldverkehr zwischen Wirtschaftsräumen können sein: 1. Zollgebühren. 2. Unterschiedliche Gesetze. 3. Unterschiedliche Währungen.
In Folge dessen können diese drei Mechanismen dem Schutz von Wirtschaftsräumen dienen.

Innerhalb der regionalen Wirtschaft sind die kleinbäuerliche Landwirtschaft und andere kleine Betriebe besonders wertvoll. Sie sorgen für nachhaltig erzeugte, sichere und gesunde Nahrungsmittel sowie andere Produkte und Dienstleistungen und sie bieten als Sozialunternehmen gute und stabile gesellschaftliche Strukturen.

Kleine, regional tätige Unternehmen verzichten zu Gunsten ihres gesellschaftlich wichtigen Engagements auf Gewinneinnahmen und sind gegen andere Unternehmen und Konzerne nicht konkurrenzfähig.
Wirtschaftsräume mit solchen Unternehmen müssen geschützt werden vor der Konkurrenz Profit-orientierter Konkurrenten und Investoren.

Ein solcher geschützter Wirtschaftsraum kann durch eine regionale Währung geschaffen werden.

Einen Kommentar hinterlassen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht angezeigt.